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Die Sache mit der Erziehung...

was Kätzchen nicht lernt, lernt Kater nur sehr schwer...

Da wir die Kleinen im Alter von 12 Wochen bekommen haben, sie vorher in einer liebevollen Umgebung aufgewachsen sind und somit keine sozialen Defizite aufweisen, haben wir es nun in der Hand, ihr Verhalten so zu lenken, dass ein angenehmes Zusammenleben möglich ist.

 

Die ersten Erziehungsgrundsätze fassten wir bereits, als die Kleinen noch friedlich und zufrieden an den Zitzen der Mama nuckelten; wir Menschen legten fest, was sie dürfen und was nicht. So wurde festgelegt dass die gesamte Küche, außer dem Boden, der Ess- und Wohnzimmertisch, Herrchens Schreibtisch sowie der Keller Tabuzonen sind.

 

Bitte glauben sie niemals, dass eine Katze etwas tut oder unterlässt, weil sie den Sinn der Sache verstanden hat. Sie tut oder unterlässt es, weil es für sie entweder mit etwas Unangenehmen oder Angenehmen verbunden ist. Wenn Ihre Katze z.B. ihre Blumentopferde mit Wonne auf dem heimischen Perserteppich verteilt und sie daraufhin eine Schicht aus Bruchmuscheln auf dem Blumentopf verteilen, sagt sich die Katze nicht: „Aha, Frauli will nicht, dass ich Erde schippe, deshalb kamen die hübschen Muscheln obendrauf.“ Sondern sie sagt sich wohl eher: „Mist! Früher war das Erdeschaufeln so schön, weil die Erde schön locker war und es mich an früher erinnert hat, als wir Katzen unsere Geschäfte noch vom Winde umweht verrichten konnten und nun? Jetzt liegen da scharfe Muschelschalen, die so unangenehm an den Pfotenballen pieksen“ Verstehen Sie den Grundgedanken?

 

Eine Katze tut auch nichts um sie bewusst zu provozieren oder zu ärgern. (Zumindest meistens nicht...) Bandit´s ständige Ausflüge auf die verboten Küchenarbeitsplatte macht er nicht, um meine Nerven zu strapazieren, sondern um seine Neugierde zu befriedigen. Was nichts an der Tatsache ändert, dass er meine Nerven strapaziert. Er macht es aber nicht mit dieser Intension. Katzen, besonders junge Katzen wollen und müssen alles erkunden und kennen lernen. Wie sollen sie sonst später als erwachsene Tiere Gefahren abschätzen können? Sie müssen sich an alles Unbekannte herantasten um feststellen zu können ob es „gut“ oder „böse“ ist. (Kann man es fressen, verhauen oder kleine Kätzchen damit machen?)  Es liegt nun an uns, die Arbeitsplatte für ihn unangenehm zu gestalten. Dass er sich von uns nicht besonders schrecken lässt, zeigt mir, dass er vor uns keine Angst hat. Gut so! Ein wenig Respekt – er springt ja immerhin gleich runter wenn wir die Küche betreten- aber keine Angst, sonst würde er es ja nicht immer wieder tun. Ich bin mir sicher, er wird es auch weiterhin immer wieder tun. Dazu sind Katzen zu eigenständig. Er möchte das, also tut er es auch. Er weiß dass ich das nicht möchte, weil er dann laut angesprochen und der Küche verwiesen wird, tut es darum eben nicht, wenn ich da bin. Es ergibt sich daraus nur eine einzige Konsequenz: Wenn etwas auf der Arbeitsplatte ist, an das er nicht ran soll, oder wenn eine der Herdplatten heiß ist heißt es: Tür zu. Punkt. Einer Katze einen Raum zu verwehren ist eine der drastischsten Erziehungsmöglichkeiten die es gibt. Insbesondere, wenn sich der Mensch weiterin in dem Raum aufhält. Beraubt man sie doch ihres natürlichen Dranges, die Neugierde zu befriedigen, bzw. schließt sie aus dem Nest aus. Es fruchtet oft ungemein, wird von uns aber nur im äußersten Notfall, mit Hinblick auf den Seelenfrieden der Katzen und der Menschen angewandt. Die beiden Male als uns die drei Racker des Nachts als Trampoline verwendet haben und daraufhin aus dem Schlafzimmer ausziehen mussten, haben gewirkt. Seitdem herrscht Ruhe, wenn im Schlafzimmer die Lichter ausgehen. Die Nacht ohne Kuscheln mit Herrchen oder Frauchen zu verbringen war wohl eine schlimme Erfahrung. (Als wir morgens die Schlafzimmertür öffneten, sind uns zwei Racker entgegengefallen, die an der Tür gelehnt geschlafen haben.) Der Tag wird kommen, an dem sie wieder kurzfristig aus dem Schlafzimmer ausziehen müssen, damit die beiden Menschen am nächsten Tag nicht vor Müdigkeit am Schreibtisch einschlafen,  aber die Abstände der Aussperraktionen werden sich verlängern.

Eines möchte ich ausdrücklich betonen: eine Katze zu schlagen oder sie anderweitig körperlich zu züchtigen ist keine Erziehungsmaßnahme, sondern Tierquälerei! Auch ständiges Ignorieren (Mama spricht nicht mehr mit dir) oder Anschreien ist Quälerei. Wenn ihr Tier etwas tut, das sie nicht möchten sagen sie mit lauter Stimme und bestimmten Tonfall „Nein!“ Ihre Katze wird schon alleine ob des ungewohnten Tonfalls aufhorchen. Heben Sie sie dann z. B. vom Esstimmertisch runter und lassen es gut sein. Nicht weiterlamentieren! Nach mehrmaligem Neinsagen können Sie die Negativerfahrung mit einer Spritzpistole untermauern, oder lenken sie das Tier schon vor dem Sprung mit einem Spielzeug ab. Wenn möglich eliminieren Sie die Ursachen ihres Unmutes. Sie möchten nicht, dass Ihre Katze mit dem Zugseil der Jalousie spielt? Kürzen Sie das Seil, so dass es in einer für die Katze unattraktiven Höhe ist. Sie ärgern sich, dass Ihre Katze ständig Ihre so sorgfältig dekorierten Nippesfiguren neu anordnet? Packen sie sie weg, zumindest solange die Katzen klein sind. Der Blumentopf auf der Fensterbank nähert sich bei jedem Verfolgungsspiel Ihrer Katzen bedenklich dem Rand? Schaffen Sie mehr Platz für die Pelznasen. Der Blumentopf steht an anderer Stelle vielleicht sogar besser und lassen sie mal alle Zwölfe gerade sein. Ihre Wohnung gehört ihnen nicht mehr länger alleine. Wenn Miez nun mal findet, dass es sich auf dem Fernseher wunderbar schlafen lässt, auch wenn ihr vor lauter statischer Elektrizität die Haare zu  Berge stehen – wem tut das weh?

 

Katzen verbinden Ereignisse. Wenn Sie berufstätig sind und Ihre Katze stets nach dem Aufstehen füttern – frei nach dem Motto: erst das Tier, dann der Mensch- wird ihre Katze folgende Gleichung aufstellen: Morgens ca. 6 Uhr – Mensch aufstehen- Essen – Lecker. Glauben sie bitte nicht, ihre Katze würde sonnabends oder sonntags zwei oder drei Stunden dazu addieren! Sie wird dafür sorgen, dass diese Gleichung bestehen bleibt, und das wahrscheinlich mit allen Tricks. Wir haben bei den drei Rackern von Anfang an den Versuch gemacht, diese Gleichung zu unterbrechen. Sie können keine Verbindung zwischen Aufstehen und Füttern finden. Denn: manchmal wird direkt nach dem Aufstehen gefüttert, und manchmal erst nach einer halben oder dreiviertel Stunde, manchmal auch erst kurz bevor wir das Haus verlassen.  Was uns, zumindest bisher, in den Genuss bringt, an Wochenenden ausschlafen zu können. Herrlich!  Eine Verbindung haben Major und Gangster jedoch doch hergestellt: wenn der Wecker klingelt kommen sie zum kuscheln, wenn sie nicht schon die ganze Nacht bei uns verbracht haben.  Weckerklingeln = Menschen wach = Schmusezeit. Wir empfinden es als äußerst angenehm in den Tag geschnurrt zu werden.

 

Der Verbindungsaufbau gilt auch für das  Nachhausekommen: wir füttern nicht sofort, sondern erstmal wird gestreichelt und gespielt. Also keine Verbindung zwischen Nachhausekommen und Füttern. Das erspart uns nörgelnde Kater und wir können uns sicher sein, dass sie sich über unser Kommen und nicht auf das bevorstehende Fressen freuen. Wir Menschen haben ein wenig Zeit um uns vom Arbeitstag zu erholen und DANN erst wird gefüttert. Auch nicht zu einer bestimmten Zeit, das kann sehr stark variieren. Wir möchten damit auch vermeiden, dass unser Haus einem Schlachtfeld gleicht, wenn wir mal später nach Hause kommen.  Bis jetzt klappt das vorzüglich. Ich werde weiter berichten.

 

Einer Aufforderung der drei Racker komme ich jedoch ohne Umschweife, sofort und gleich nach: Wenn sie schmusen, kuscheln oder spielen wollen. Wenn Schmusebedarf ist, nehme ich mir einfach die zehn Minuten, die sein müssen, genieße es selbst beschmust zu werden und vergesse für diese Zeit meine gesamte Umwelt. Würde ich nicht darauf eingehen, könnte sich einer der Racker zurückgewiesen fühlen, und das wäre das Letzte was ich ihnen antun möchte. Sie sollen bis in´s Hohe Alter unsere Kuschelmonster bleiben. Spielen kann man eigentlich immer und zu jeder Zeit. Es kostet nur Sekunden, einen der ständig herumliegenden Bälle zu werfen uns schon sind die Racker für die nächsten Minuten beschäftigt.

 

Ich versuche bei jeder Katzenfrage, insbesondere wenn es um das Verhalten geht, den Grund darin in den Ursprüngen zu suchen. In den Ursprüngen felinen Verhaltens und in den Ursprüngen der Situation. Wenn Mensch versucht die Welt durch die Augen einer Katze zu betrachten, das Jetzt genießt und nicht an das Morgen denkt, gewinnt nicht nur die Katze.

 

 

 

 

 

 

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