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Tiger´s Seite - ein kleiner Dank

Wenn Sie die Geschichte des Vorgängers der drei Racker lesen wollen, nehmen Sie sich ein wenig Zeit. Wir haben diese Geschichte niedergeschrieben, um unserem Dicken ein kleines Dankeschön auf den Weg mitzugeben, den er jetzt beschreitet. Wo immer das auch sein mag.

 

Die erste Begegnung mit Tiger (von uns liebevoll „Dicker“) genannt, werde ich nie vergessen. Als Münchnerin frisch in Hamburg angekommen war meine erste Aufgabe im neuen Zuhause dem dort heimischen Kater die Terrassentüre zu öffnen, da er Einlass begehrte. Der Blick mit dem er mich streifte sprach Bände! „Was willst Du denn hier? Hast dich wohl verlaufen, Kleine. Das hier ist ein Männerhaushalt und soll es auch bleiben!“ Au weia, dachte ich mir. Mein erster Annäherungsversuch brachte mir eine blutige Schramme an der Hand ein. Ansonsten wurde ich einfach ignoriert. Toller Start in Hamburg.

Die nächsten Wochen verbrachten wir hauptsächlich damit uns aus dem Weg zu gehen. Ich vermisste schmerzlich meinen saften, niemals kratzenden Gauner den ich in München schon vor einem Jahr bei seinem Herrchen lassen musste, da er ein ausgesprochener Herrlikater war und der Dicke vermisste die Zweisamkeit mit seinem Herrchen. Dass ich das Füttern übernommen habe, hat den Dicken in keinster Weise milder gestimmt. Für Ihn gehörte ich einfach nicht dazu. Nach Wochen des Ignorierens kam jedoch der Tag, an dem er zu mir auf die Couch sprang und vorsichtig Körperkontakt herstellte. (Er lehnte sich mit dem Rücken an meinem Oberschenkel, was man damals schon als Kuschelanfall gelten lassen musste!) Als ich ihn dann vorsichtig streichelte, hörte ich doch tatsächlich ein Schnurren! Langsam, sehr langsam kamen wir uns näher.

 

Herrli hat mir zwischenzeitlich Tigers bisherige Geschichte erzählt.

Die erste Frau meines Mannes wollte damals unbedingt eine Katze haben. In ganz Hamburg war jedoch zu der Zeit keine Jungkatze zu bekommen. Endlich wurde mein Mann in Rahlstedt, einem Vorort von Hamburg fündig. Ein kleines, ca. 12 Wochen altes, schwarzweißes Katerchen war noch aus einem Wurf übrig. Stutzig machte meinen Mann die Tatsache, dass der Besitzer das Tierchen nur mit Handschuhen anfasste! Wie auch immer, mein Mann nahm das Kerlchen. Zu Hause war der Kleine nicht aus der Transporttasche zu bekommen. Nachdem er sich vier Stunden geweigert hatte diese zu verlassen, kippte mein Mann ihn schließlich aus. Das Tier musste doch mal was fressen und saufen! Und müssen muss er doch auch mal. Er durchquerte keinen Raum, sondern schlich sich nur an der Wand entlang. Wollte man ihn anfassen, so verteidigte er sich mit Krallen und Zähnen. Mein Mann verteilte daraufhin nach zwei Wochen der vergeblichen Eingewöhnung in der ganzen Wohnung getragene Kleidungsstücke, so dass das Kerlchen sich langsam an seinen Geruch gewöhnen konnte. Nach weiteren zwei Wochen gelang es ihm dann, ihn mit dem Ärmel eines Sweat-Shirts zu streicheln. Das Kerlchen musste traumatische Erfahrungen gemacht haben. Zeit seines Lebens hasste er Kinder. Hörte er sie nur von Weitem brummte er und bekam eine Flaschenbürste. Ob ihn Kinder mal gequält haben? Wir werden es nie erfahren.  Er war bereits im zarten Alter von 12 Wochen äußerst aggressiv. Dies sollte sich erst nach der Kastration ein wenig bessern. Menschen, die er nicht kannte und die ihm zu nahe kamen oder aus seinem Blickwinkel gesehen, in die Enge trieben, griff er an und so mancher Besuch hat sich in Tigers Gegenwart ein wenig mulmig gefühlt. Katzen, die die Frechheit besaßen in seinen Garten zu kommen verfolgte er gnadenlos und stellte sich jedem Kampf. Er war ein richtiger Kampfkater der alten Schule. Meinen Mann hat er allerdings, nach anfänglichen Startschwierigkeiten, abgöttisch geliebt! Als Scheidungskater ging er zunächst zu seinem Frauchen. Er hat aber keinen Hehl daraus gemacht, zu wem er möchte und das Frauchen hatte schließlich ein Einsehen und gab den Dicken, der bei ihr ein Leben unter dem Bett fristete, wieder zurück. Die beiden Junggesellen waren zufrieden mit sich und der Welt. Tja, und dann kam ich…

 

                        

 

 

Es waren inzwischen 6 Monate seit meiner Ankunft vergangen, als endlich der Knoten platzte. Leider aus einem sehr unschönen Grund. Der Dicke kam eines Tages ins Haus geflitzt. Alleine dieser Umstand war schon ungewöhnlich. Für gewöhnlich schritt er ins Haus, majestätisch und sich seines Ranges als „King of the garden“ bewusst. Als wir ihn näher betrachteten sahen wir, dass ihm Blut aus dem Maul troff und er das Mäulchen nicht mehr schließen konnte. Maulsperre! Das Bluten hörte sofort auf, als wir ein Stück graues Fell, mit einem Bröckchen Fleisch daran, aus seinem Maul entfernten. Er muss seinen Gegner, offensichtlich eine graue Katze mit etwas längerem Fell, fürchterlich zugerichtet haben. Wenn sich kämpfende Katzen ineinander verbeißen kann es schon mal zu einer Verkrampfung der Kiefermuskulatur kommen. Diese Verkrampfung löst sich meistens innerhalb von 30 Minuten. Nicht so bei dem Dicken. Wir haben eine Stunde abgewartet aber es hat sich keine Besserung eingestellt. Es war brüllend heiß an dem Tag und da der Dicke wegen des ständig offen stehenden Mauls weder fressen noch trinken konnte, sind wir umgehend zum Tierarzt. Mein Mann am Steuer, ich den Dicken halb in der Transporttasche, halb im Arm sind wir los. Ich habe ihn ständig beschmust und gut zugeredet und trotz seiner offensichtlichen Schmerzen, oder vielleicht gerade deshalb schnurrte der Bengel aus Leibeskräften. Ziemlich laut, das Maul stand ja noch immer offen. Wir wurden von der Tierärztin weiter in die Tierklinik verwiesen, die den Dicken erstmal behalten haben. Telefonisch haben wir dann erfahren, dass er sich beide Kiefergelenke ausgerenkt hatte, sie ihm aber noch mal helfen konnten. Als wir Ihn abholten, wurde uns eingeschärft, ihn nicht mehr raufen zu lassen. Ein zweites Mal würden die Kieferbänder wohl nicht mehr halten. Guter Rat, nur wie sollten wir das bewerkstelligen? Der Dicke war ein Freigänger und wäre, sobald wir ihm den Ausgang verwehrt hätten sicherlich die Wände hoch gegangen. Um es vorauszuschicken. Er durfte wieder raus, hat sich aber tatsächlich nicht mehr geprügelt. Dafür hat er mich in sein Katzenherz aufgenommen. Von diesem Tag an durfte ich mit dem Dicken so ziemlich alles machen. Ob es nun das Verabreichen der Wurmpaste war, oder ihn durchkitzeln, tragen, bekuscheln, durchwuscheln oder bürsten. Frauli durfte alles mit ihm machen und ich habe ihn ganz genauso in mein Herz eingeschlossen, wie er mich. Sogar die Angst vor Tüchern konnte ich ihm nehmen. Sobald jemand ein Tuch in der Hand hatte ist der Dicke stiften gegangen. Das machte ihm, aus welchem Grund auch immer,, furchtbar Angst. Ich habe daraufhin das „Rubbelspiel“ erfunden. Eine Kombination von „Trockenrubbeln“ nach einem Ausflug im Regen und Streicheleinheiten. Das fand er so klasse, dass er bei dem Ruf „Dicker, komm rubbeln“ sofort angetrabt kam sich seine Rubbeleinheiten abholte und so seine Angst vor Tüchern verloren hat.

 

In unserer alten Wohnung in Hamburg lag neben dem Wohnzimmer, durch eine Zwischentüre verbunden das Büro. Beide Zimmer hatten Türen zum Flur, so daß man vom Flur über die Stube ins Büro gelangte und vom Büro wieder in den Flur. Tigers und Thomas´Rennstrecke! Mein Mann fing an Kreise durch die Räume zu drehen, und der Dicke lief ihm hinterher. Irgendwann konnte man nicht mehr sagen, wer denn da wen verfolgte. Es war auf alle Fälle für alle Beteiligten ein RIESENSPASS!

 

                                                   

 

Das Leben mit dem Dicken war anfangs ziemlich turbulent, dem Kerlchen viel immer wieder etwas ein um uns auf Trab zu halten. Mit zunehmendem Alter wurde er jedoch auch ruhiger und seine Bewegungen wurden steif. Im Alter von 12 Jahren machten wir einen Geriatrietest, der uns laut Laborwerten zeigte, dass alles im grünen Bereich sei. Wir ließen sein Rückgrad röntgen um evtl. einen Grund für seine Steifheit zu finden. Leider wurde er in der Tierarztpraxis offensichtlich mit zu viel Narkotika versorgt, er wachte nur sehr schwer auf, und brauchte zwei Tage um wieder ganz der Alte zu sein. Ob diese verkorkste Narkose der Grund war, dass er knapp ein Jahr später an Epilepsie erkrankte bleibt reine Spekulation. Wir sind in der Zwischenzeit nach Maschen umgezogen und haben dort einen äußerst kompetenten, tierliebenden und vernünftigen Tierarzt gefunden. Tiger litt sein ganzes Leben unter einer ausgeprägten Tierarztphobie. Er hat schon ganze Behandlungszimmer demoliert und mehrere Tierarzthelferinnen durch die schweren Lederhandschuhe gebissen. Auch bei der Untersuchung bei der leider diagnostiziert wurde, dass er an Epilepsie leidet, hat er alle Register gezogen. Wir haben uns geeinigt, dass wir dem Dicken weitere Tierarztbesuche ersparen wollen, soweit es geht  und haben versucht ihn telefonisch auf die richtige Medikamentendosis einzustellen. Das mag vielleicht ein wenig außergewöhnlich sein, war aber auf alle Fälle für den Dicken wesentlich stressfreier. Man darf auch nicht vergessen, daß Streß ein Auslöser für epileptische Anfälle sein kann. Es hat bemerkenswert gut geklappt. Ich habe mit der behandelnden Tierärztin der Praxis mehrmals wöchentlich telefoniert und so konnte langsam aber sicher die richtige Dosis Luminaletten gefunden werden. 

 

Mit der richtigen Medikamentendosis kam er gut zu recht und die Anfälle reduzierten sich auf ein Minimum. Seine Senilität nahm jedoch leider zu. Oftmals saß er in einer Ecke, stierte die Wand minutenlang an, und wusste offensichtlich gar nicht, was er da wollte.

Im November 2006 sorgte er nochmals für ordentlichen Wirbel! Tiger ist von seiner abendlichen Gartenrunde nicht wieder nach Hause gekommen. Er ist stets im Garten geblieben und wir kamen gar nicht auf die Idee, dass er weglaufen könnte! Zu spät habe ich den Hinweis einer Betroffenen gelesen, dass Epilepsiekatzen keinen unkontrollierten Freigang mehr haben dürfen. Wir haben ihn in der gesamten Siedlung gesucht, Suchmeldungen in allen Tierheimen und Tierarztpraxen hinterlassen, Flugblätter verteilt und immer wieder gesucht und gesucht und gesucht. Vergeblich. Die Ungewissheit war schrecklich! Unsere Phantasie spielte uns Streiche und wir sahen und hörten ihn im Garten, um dann wieder enttäuscht feststellen zu müssen, dass er es doch nicht war. Inzwischen sind zwei Tage vergangen. Zwei Tage ohne seine Medikamente! Wir hatten die Hoffnung fast aufgegeben als wir spät abends einen Anruf erhielten, dass er am anderen Ende der Siedlung gesehen worden ist. Wie der Blitz sind mein Mann und ich hingelaufen und haben alles abgesucht. Wieder vergeblich! Wie soll man im November um 22 Uhr auch eine fast ganz schwarze Katze finden? Enttäuscht sind wir wieder nach Hause gegangen. Ich hatte jedoch keine Ruhe und konnte nicht still sitzen. Ich schnappte mir nochmals die Taschenlampe und bin los. Traurig blickt mir mein Mann nach, er sagte nichts, aber ich konnte an seinen Augen ablesen, dass ich mir nicht zuviel Hoffnung machen sollte. Ich leuchtete nochmals alle Büsche mit der inzwischen nur noch ganz schwachen Taschenlampe ab, rief ständig leise Tigers Namen. Nichts kein Dicker. Ein schwarzer Fleck unter einem Busch kam mir jedoch sehr schwarz vor und tatsächlich! Allen Katzenschutzengeln sei Dank! Da lag das Kerlchen!! Ich wusste bis dahin gar nicht, dass man lachen und weinen gleichzeitig kann! Ich tat es und freute mich schon auf das Gesicht von Herrchen! Ich läutete bei uns Sturm, hatte ich doch alle Hände voll. Die Erleichterung in Herrchens Gesicht war beispiellos! Wir hatten unseren Dicken wieder und freuten uns alle 3 ein Loch in den Pelz!! Tiger lief ständig von mir zu meinem Mann und wieder zurück, schnurrte was das Zeug hielt und freute sich offensichtlich wieder zu Hause zu sein. Er verdrückte erstmal eine Schale Futter und soff gierig sein Wasser! Das Leben war wieder schön! Der ganze Ausflug schien ihm überhaupt nichts ausgemacht zu haben. Dass ihm der Schreck in den Gliedern saß konnte man jedoch daran erkennen, dass er sich zwei Tage nicht getraut hat zu schlafen. Irgendwann holte der Körper sich aber seinen Schlaf und der Dicke pennte laut schnarchend auf seinem Schaffell. Volle 12 Stunden am Stück im Tiefschlaf.

 

Vier weitere Monate sollte uns mit dem Dicken noch vergönnt sein. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Seine linken Pfoten schwollen auf doppelte Größe und er bekam ein Bauchödem. Er machte  keinerlei Schmerzensäußerungen, aber dass da etwas im Argen lag, war deutlich zu sehen. Nach einem Hausbesuch unseres Tierarztes und der dementsprechenden Behandlung ging die Schwellung wieder zurück, aber uns war schon fast klar, dass uns nicht mehr viel Zeit mit unserem Dicken blieb.

 

Mein Mann und ich waren unter Einbeziehung der tierärztlichen Meinung übereingekommen, dass wir den Dicken so lange weiterpflegen wollten, bis er Schmerzensäußerungen zeigte. Schmerzen wollten wir ihm auf alle Fälle ersparen. Wir hatten schon fast ein Jahr bald täglich abgewogen, ob für ihn das Leben noch Lebenswert ist, oder ob wir uns von dem Dicken nur nicht trennen wollten. Er nahm uns die Entscheidung am 27. März 2007 ab. Er hatte die vorangegangene Woche überhaupt keine Nahrung mehr zu sich genommen und seine Nörgelrufe gingen in Schmerzenslaute über. Als er dann zweimal vor Schwäche zusammengebrochen ist, war die Entscheidung für uns klar. Verheult und schluchzend fuhr ich zum Tierarzt um, wie besprochen, das Sedativum zu holen und ihm zu verabreichen. Ich habe noch mal eine Runde mit ihm im Garten gedreht, er wehrte sich ganz kurz gegen das Einschlafen, aber beruhigende Worte von seinem Herrchen beruhigten ihn wieder. Dann ist der Dicke auf meinem Arm eingeschlafen. Die Tierärztin mit der Euthanasiespritze, die eine halbe Stunde später zu uns kam,  hat er nicht mehr zu Gesicht bekommen. Rückblickend sind wir der Überzeugung, daß sein Ausflug im November schon der erste Rückzug war, um sich ein Plätzchen zum Sterben zu suchen.

 

Vielleicht fragen Sie sich, warum ein schwarzweißer Kater Tiger getauft worden ist. Ganz einfach: er hatte das Herz und die Kämpfernatur eines bengalischen Tigers. Einen passenderen Namen hätte es nicht gegeben.

 

Wir haben viel Spaß und freuen uns täglich an den drei Rackern, aber unseren Tiger vermissen wir dennoch jeden Tag.

Ich habe mir eine kleine Krücke geschaffen, um ein wenig leichter über seinen Tod hinwegzukommen. Da wo der Dicke jetzt ist, läuft er ohne Schmerzen über eine schöne, grüne Wiese, hat genügend Sparringspartner zum verhauen - und gewinnt natürlich immer! Zwinkernd sieht er zu uns herunter und freut sich mit uns mit, dass wir soviel Freude an unseren Somalikaterchen haben. Schließlich hat der Dicke das ja alles eingefädelt, um uns nicht so alleine zu lassen.

 

DANKE DICKERLE!

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