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Katzen sind traditionsbewußt

 

 

Gehen wir mal in die Zeit zurück, in der Katzen noch kaum, oder nur  sehr lockerem Kontakt zu Menschen hatten. Die Zeit, in der es noch keine Autos gab, Hunde frei rumliefen um die Dörfer zu bewachen, oder gänzlich verwildert in Gruppen durch die Steppen zogen, Mäuse noch in Massen auftraten und keine Pestizide enthielten und der Begriff "Kastration" erst in ein paar tausend Jahren geprägt werden würde. Wie sah da ein Tag einer Katze aus?

 
Sie begann morgens ihren Rundgang im Territorium, zu dem durchaus Katzen gehören, der sie wohlgesonnen ist. Hatte sich etwas verändert? Hat sich ein fremder Kater mit seiner Markierung verewigt? Haben zigeunernde Menschen die Territoriumsgrenzen verändert? Wichtige Dinge, die eine Katze zum Überleben wissen muss. Ein kurzer Morgenplausch mit den Mitbewohnern wird gehalten, mit der Nase natürlich. Wenn alles soweit o.k. war, konnte man sich um das Frühstück kümmern. Wilde Mäuse sind einfach ein Genuß! Aber es dauert eine ganze Weile, bis man satt wird und katz muss in angespannter Haltung lange vor einem Mäuseloch ausharren um der Beute habhaft zu werden. Aber sie hat Glück! Geboren zur Jägerin hat sie ihr Frühstück erbeutet, schleppt es an einen ruhigen Ort und schmaust mit Genuß. Dann macht sie sich auf, um an ihre Wasserstelle zu gehen. Ein Bach, eine Pfütze, oder ein Teich, mal schauen, woraus es heute besonders gut schmeckt. Sie kennt sich ja aus in ihrem Revier und lässt dabei ständig ihre Satelittenschüsseln, sprich: die Ohren peilen, damit ihr auch kein Raubvogelpfiff entgeht. Unsere Jägerin ist eben auch Beute. Sie holt sich noch ein, zwei Mäuschen und sucht sich dann einen Schlafplatz, um das mühsam Erjagte möglichst effektiv zu nutzen. Sie hält ein Mittagsschläfchen. Mal auf einem Baum, mal unter einen Strauch. Katz hat so  ihre Plätze und wechselt die auch ständig, nicht daß ein Wildhund der sie dort einmal gesehen oder gerochen hat sich daran erinnert! Vor dem Schlaf wird natürlich ausgiebig geputzt und dann zusammengerollt und FAST geschlafen. Nur fast, da die Sinne immer noch geschärft sind. Mag sie auch fast 18 Stunden am Tag dösen, die Tiefschlafphase, in der sie wirklich überrascht werden könnte, dauert nur wenige Minuten an. Nach dem Schlaf wird sich kräftig gestreckt, gereckt, das Fell geputzt und schon ist wieder ein erneuter Kontrollgang im Revier nötig. Ganz schön stressig, was? Die Nachmittagsmäuse fangen sich auch nicht von alleine und da hat doch so ein frecher, junger Kater sich im Revier blicken lassen! Raus mit dem Kerl, aber mit Gefauche und Gejaule! Die Hochschau ist angesagt. Wie der Name schon sagt, an einem erhöhten Ort. Unser Protagonist kann dort Stunden verweilen um sein Revier zu beobachten. Zu sehen gibt´s immer was! Nochmals ein Rundgang durchs Revier und schön langsam kann Katz sich auf das Abendleben vorbereiten. Heute wird ausgegangen! Die hübsche, kleine Getigerte hat´s unsrem Helden angetan. Ein süßes Ding, aber das haben auch schon andere gemerkt und unser Held muss sich sein Vergnügen hart erkämpfen! Gegen drei andere Kater. Es hat Stunden gedauert, bis er die verjagt hat, aber das Glück war ihm dieses mal hold. Die Süße ließ ihn ran, die Gene wurden weitergegeben. Das letzte mal war alles vergebliche Liebesmüh gewesen. Madam hat den Sieger verschmäht und ist mit so einem schäbigen, zerlumpten Kerl abgezogen! Heute nicht, ein toller Tag eben.
 
So, oder so ungefähr war das vor tausenden von Jahren...
 
...und wie ist es heute?
 
GANZ GENAUSO!
 
Nun, ja...das Katzenfräulein müssen wir wohl weglassen, weil der Trieb vom Tierarzt zunichte gemacht worden ist, aber der Tagesablauf unserer Etagentiger spielt sich immer noch nach diesem Muster ab, oder sollte es zumindest. Der Rundgang im Revier ist geblieben, nun eben innerhalb von 75 qm in der vierten Etage.Die Anspannung bei der Mäusejagt wird durch die Anspannung beim Spiel mit dem Menschen ersetzt. Oder beim Anschleichen derer Beine oder dem ausgiebigen Bespielen eines Seramiskörnchens.Hunde mag sie nicht, waren sie doch früher der Feind! Das Zusammenführen dieser beiden Spezien hat der Mensch in die Hand genommen und in jungen Jahren klappt das auch, oder die Katze ist sehr tollerant und fremdenfreundlich und der Mensch dementsprechend geduldig. Trinken tut sie vorzugsweise immer noch an einem anderen Ort als an dem sie frisst. Ein Kumpel zum Beschnüffeln oder Belecken sollte da sein. Der Kratzbaum ersetzt die Eiche und die Hochschau wird vom Fensterbrett aus vorgenommen, auch gerne mit Gesellschaft. Das Putzen, Strecken und die Fellpflege sind original so geblieben und auch die Tatsache, dass die Katze mehr döst als schläft. Die Schlafplätze wechseln auch ständig. Also, liebe Tierzubehörhersteller, behaltet ruhig eure Körbchen! Nach spätestens drei Wochen sind sie sowieso uninteressant. Die Wasserstellen (mehrere) verteilen wir Menschen in der Wohnung. Ist ja auch gut für´s Wohnklima und den Kratzbaum stellen wir Katzenmenschen da auf, wo Miez auch was sehen kann. Entweder mit Ausblick nach draußen oder an einen Ort der stark frequentiert ist, damit katz auch was zu guggen hat. Lärmquellen vermeidet der Katzenmensch tunlichst, denn unsere Samtpfote hört immer noch Mäuse im Ultraschallbereich. Sie könnte es zumindest, auch wenn es im vierten Stock selten welche gibt. Die Zimmerlautstärke eines Fernehers oder Radios ist schon an der obersten Grenze des Erträglichen. Schlafplätze sucht sich der Etagentiger meist selbst, er sollte jedoch die Möglichkeit haben, sich an einen oder noch viel besser, an mehreren Plätze ungestört zurückziehen können. Wer weiß, vielleicht hat´s in der vierten Etage ja doch irgendwo einen Greifvogel! Katzen geben ihre alten, gewohnten Rituale und Verhaltensmuster nicht auf. Sie sind also sehr wohl: Traditionsbewußt!

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